Internationale Reaktionen auf den Tod der Gefangenen in Stammheim 1977

Am 18.10.1977 werden Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden. Wir wollen auch dieses Jahr an die toten Genoss*innen erinnern. Wir dokumentieren deshalb an dieser Stelle einen Auszug aus einem längeren Text der Roten Brigaden zu Stammheim 1977, der den Umfang der militanten Aktionen in Westeuropa (unvollständig) verdeutlicht. Wir haben den Textauszug umfangreich bearbeitet, bzw. teilweise neu abgeschrieben, um ihn erstmals in digitaler Form publizieren zu können. Zur geschichtlichen Wahrheit gehört auch, dass der Tod der Gefangenen, jenseits aller berechtigten Kritik an der Politik der RAF, für viele Zusammenhänge in Westeuropa eine historische Zäsur darstellte, auf die reagiert werden musste. Den gesamten Text der BR als PDF Scan findet Ihr hier. Sunzi Bingfa

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Die bewaffnete Schlacke

Giovanni Iozzoli für Carmilla

Mit Empörung – aber auch mit aufrichtigem Erstaunen über den unerschöpflichen Repressionswahn der italienischen Apparate – erfahren wir, dass gegen Paolo Persichetti (1) wegen schwerer Verbrechen wie Beihilfe und dem berüchtigten §270 ff, der kriminellen Vereinigung zum Zwecke des Terrorismus, ermittelt wird. Seine Schuld wäre der Besitz und die Weitergabe von „vertraulichem“ Material, das von der letzten parlamentarischen Untersuchungskommission zum Moro-Fall angefertigt wurde, der marodesten dieser Serienproduktion, die seit November 1979 immer wieder produziert werden. Paolo Persichetti ist nicht nur ein ehemaliger Brigate Rosse Militanter, sondern auch einer der aktivsten Wissenschaftler des bewaffneten Phänomens, insbesondere hat er sich zusammen mit einer neuen Generation von jungen akademischen Forschern auf die verdienstvolle Arbeit der Entlarvung der Moro-Affäre spezialisiert: die Entlarvung und Dekonstruktion der Verschwörungstheorien, die seit vierzig Jahren versuchen, die historische Wahrheit des Konflikts in den 70er Jahren zu verschleiern – eine Operation des Revisionismus, bei der die verschiedenen parlamentarischen Kommissionen zur Moro-Entführung ein führendes Instrument gewesen sind.

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Von der „Mitterand-Doktrin“ zum „Neuen Europa“

Am Mittwoch vergangener Woche wurden in Frankreich sieben italienische Genoss*innen festgenommen, die in den 70iger in den antagonistischen Gruppen in Italien aktiv waren und seit längerem in Frankreich leben. Sie alle wurden in Italien in Abwesenheit zu hohen Haftstrafen verurteilt, vier von ihnen zu lebenslänglich. Es handelt sich um Giovanni Alimonti, 65 Jahre alt, Enzo Calvitti, 66 Jahre alt, Roberta Cappelli, 65 Jahre alt, Marina Petrella, 66 Jahre alt, Giorgio Pietrostefani, 77 Jahre alt, Sergio Tornaghi, 63 Jahre alt und Narciso Manenti, 63 Jahre alt. Fünf von ihnen wird die Mitgliedschaft in den Roten Brigaden vorgeworfen, einer soll bei Lotta Continua gekämpft haben, einer den Nuclei Armati Contropotere Territoriale angehört haben. Sie leben wie viel hundert andere ehemalige italienische Militante in Frankreich im Exil. Während der heftigen Repression Ende der 70iger in Italien, die tausende von Genoss*innen in den Knast brachte, waren tausende rechtzeitig aus Italien geflohen. Viele wurden in Frankreich ganz offiziell geduldet, der sogenannten “Mitterrand Doktrin” folgend, gegen die auch Italien keinen öffentlichen Einspruch erhob. Aus naheliegenden Gründen, auf die auch der folgende Artikel eingeht.

Die jüngsten Festnahmen erfolgten in enger Abstimmung zwischen italienischen und französischen Justizministerium, Macron selber hat die Festsetzung dann angeordnet. In Frankreich gibt es erste Solidaritätserklärungen, so wurde in der Liberation eine Erklärung von prominenten Linken veröffentlicht. Die Sieben wurden am Donnerstag gegen Auflagen auf “freien Fuß” gesetzt. Eine Einordnung der repressiven Aktion erfolgte von Dante Barontini in ‘Contrapiano’, sie erschien auch auf französisch in acta zone, wir haben aus der französischsprachigen Version übersetzt. Sunzi Bingfa

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Lasst tausend Hände die Waffe aufheben

Nanni Balestrini

Nanni Balestrini muss an dieser Stelle wohl nicht wirklich vorgestellt werden. Seine Bücher über die Bewegung der Autonomia, über Knast und Verzweiflung, über die Existenzialität der Revolte, also des Lebens selbst, sind zu großen Teilen schon vor vielen Jahren ins Deutsche übersetzt und hier bei Assoziation A veröffentlicht worden, 2017 erschien dann seine Erzählung Carbonia bei bahoe books.

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