“Nach 65 Tagen Hungerstreik war ich, wie sie sagten, ein Sack voller Knochen”

Dimitris Koufontinas

Ein Jahr nach dem Beginn des letztjährigen Hungerstreiks gab Dimitris Koufontinas dem ‘The Press Project’ das erste Interview seit jenen Tagen. Wir veröffentlichen an dieser Stelle die angekündigte Übersetzung, die sich leider um einige Tage verzögert hat, weil Zusagen nicht eingehalten wurden, umso mehr gilt unser Dank der Genossin, die kurzfristig eingesprungen ist und das Interview für die Sunzi Bingfa übersetzt hat. Das Interview markiert aus unserer Sicht die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zwischen jener Strömung, die Dimitris repräsentiert und jenen, denen wir uns verbunden fühlen, oder eben auch nicht, wie z.B. im Fall des Leuchtenden Pfades aus Peru. Wie aber auch immer, unsere Herzen werden immer bei denen sein, die in den Kerkern unserer Todfeinde gefangen gehalten werden. 

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The Press Project: Es wurde viel über „Privilegien“ und „Sonderbehandlung“ gesprochen. Was bedeutet „Gefängnis“? Was bedeutet es, in den griechischen Gefängnissen von heute ein Strafgefangener zu sein?

Dimitris Koufontinas: Wir haben das Privileg, uns eine Zelle von elf Quadratmetern (2,5 m X 4,5 m) zu teilen. Wenn man den Platz für die Toilette, die Betten, das Gepäck, den Tisch und die Stühle abzieht, bleibt ein nutzbarer Raum von etwa einem Meter pro Gefangenem. Natürlich ist ein Gefängnis von Natur aus erstickend, aber es ist der rechtsextreme Hass dieser Regierung, der versucht, es so erstickend wie nur irgendwie möglich zu machen. Es ist nicht nur die Überbelegung, wie sie es elegant nennen, das Zusammenpferchen von Gefangenen in engen, kalten und schmutzigen Räumen, sondern die systematische Verschlechterung der Bedingungen und die geplante Beschränkung der Rechte unter Missachtung ihrer eigenen Gesetze für alle Gefangenen. Währenddessen insbesondere die Politiker von jedem Gesetz, jeder Regel und Vorschrift ausgenommen werden.

Die „Vision“ der Regierung ist ein Gefängnis der Bestrafung und Folter. Dies war von Anfang an klar, als sie das Gefängniswesen dem Polizeiministerium zuordneten. Es setzte sich fort mit den weitreichenden Veränderungen in den Gefängnisverwaltungen, die auf „Gehorsam gegenüber der Krone“ basierten und allen eine erstickende Kontrolle auferlegten. Gleichzeitig versuchten sie mit gezielten Berichten in den niederträchtigsten Medien über die angebliche „Gesetzlosigkeit“ in den Gefängnissen, über sogenannte „Kuschel Strafen“ und dem Gerede von „ungehorsame“ Gefangen bewusst den Eindruck zu erwecken, dass die Strafen länger ausfallen und die Bedingungen in den Gefängnisse verschärft werden müssten.  „“Nach 65 Tagen Hungerstreik war ich, wie sie sagten, ein Sack voller Knochen”“ weiterlesen

Sūnzǐ Bīngfǎ #32 – 10. Januar 2022

Sūnzǐ Bīngfǎ wird vierwöchentlich veröffentlicht.

Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #32 – 10. Januar 2022 als PDF Datei:

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Themen in diese Ausgabe:

Ein Interview und Fragmente zum Aufstand in Kasachstan (CrimethInc)

Der Rest der Linken – ein Kuriositätenkabinett (Junius Frey)

„Im Hafen von Genua: Erst Focaccia, dann Klassenkampf“ (Anna Jikhareva)

Freundschaften (Giorgio Agamben)

Die Nacht der Republik (Giovanni Iozzoli)

Paris: Mai 68 – Die Subversion der Beleidigten (Maurice Brinton)

Der Rest der Linken – ein Kuriositätenkabinett

Junius Frey

Es gab unter uns GenossInnen, die gehofft hatten, das sich mit dem Abklingen der hochoffiziösen Katastrophenmeldungen auch die Psychosen und Soziopathologien der Linken im Rauch des Alltagsgeschäfts sich verziehen würden. Nach und nach werden wir eines Besseren belehrt. Je geringer die Inzidenzzahlen, desto wahnwitziger wurde im Frühjahr die Suche nach der totalen Verantwortung, hinter der sich, es wird immer deutlicher, eben doch die Angst um den Verlust des nackten Lebens verbirgt. Da gab es Geburtstagsfeiern im Freien, zu denen man mit der Aufforderung geladen wurde, sich doch testen zu lassen, um die ebenfalls anwesenden Risikopersonen zu schützen. Der Test sei allerdings freiwillig. Diese freiwillige Testaufforderung, die die Verantwortlichkeit mit einem völkischen Solidaritätsanspruch (ich komme darauf zurück) verknüpft an den Anderen weitergibt, kann natürlich unschuldig bleiben, weil es auf dieser Party gar keine Risikogruppen gibt: außer eben den durchgeknallten Zero-Covid Anhängern. Wo es keine Risikogruppe gibt, ist auch die Testaufforderung gerade für ein Treffen im Freien irrwitzig. Was bleibt, ist der Schlag mit dem moralischen Gummiknüppel.

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„Im Hafen von Genua: Erst Focaccia, dann Klassenkampf“

Anna Jikhareva

Wir haben die ursprüngliche Übersetzung von aus libcom durch die Orginalversion ersetzt, die uns freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt wurde und die zuerst in der WOZ erschien.  Sunzi Bingfa

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Paris: Mai 68 – Die Subversion der Beleidigten

Maurice Brinton

Dieser Bericht über den (mittlerweile sagenumwobenen) Mai 1968 in Paris erschien erstmalig auf deutsch als Flugschrift No 14 von ‘MAD – Zeitschrift für Materialien, Analyse, Dokumente’, der herausgebende Verlag musste sich nach einem Rechtsstreit mit dem Satiremagazin MAD umbenennen und heißt seitdem Nautilus Verlag. Maurice Brinton war eines der Pseudonyme, die Chris Pallis, ein in Großbritannien lebender libertärer Sozialist für seine Veröffentlichungen benutzte. Die Übersetzung dieses Augenzeugenberichts stammt von Jörg Asseyer, die Broschüre wurde 1976 vom legendären Oktober Druck Kollektiv in Berlin gedruckt.

2014 erschien der Text im Reprint beim Wiener Verlag bahoe books, er ist dort immer noch erhältlich. Wir haben diesen Beitrag dem umfangreichen Archiv des Trend Infopartisan entnommen, das leider seit 2 Jahren nicht mehr aktualisiert wird, aber online noch vollständig erhalten ist. Wir haben ihn leicht überarbeitet und bebildert, ansonsten aber in der ursprünglichen Übersetzung belassen. Sunzi Bingfa

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Interview mit Dimitris Koufontinas [Preview]


Ein Jahr nach seinem Hungerstreik hat der Genosse Dimitris Koufontinas dem 2010 als Reaktion auf die Krise und damit einhergehenden Ausverkauf des Journalismus gegründeten ‚Nachrichtenportal für Recherche, Information und Meinung – The Press Project‘ ein Interview gegeben. Das vollständige Interview wird derzeit noch von Genoss*innen in Athen übersetzt. Sunzi Bingfa

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Sūnzǐ Bīngfǎ #31 – 13. Dezember 2021

Sūnzǐ Bīngfǎ wird vierwöchentlich veröffentlicht.

Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #31 – 13. Dezember 2021 als PDF Datei:

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Themen in diese Ausgabe:

Osterholz Wald in Wuppertal: „Wir sind bereit für die Revolte“ – Ein Interview

B.1.1.529

Black to Life – Black to Reality – diese Zeilen sind für Alexis

Spazierengehen ist erlaubt

Bay Area Guerrilla: Über die endlose Welle der Kriminalität

Bon anniversaire! Gilets Jaunes

Das Versagen der Linken im Ausnahmezustand

Dissertation über Covid-1984