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Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #2 – 10. August 2020

Heute veröffentlichen wir Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #2 – 10. August 2020. Themen in dieser Ausgabe, u.a.: Der zweite Teil von „Anatomie der Autonomie“ von Franco „Bifo“ Berardi, Reflektionen aus China vom Chuǎng Kollektiv, Giorgio Agamben, ein Interview mit Militanten der Revolutionary Abolitionist Movement und ein Beitrag von Ghassan Salhab (Libanon).

Beirut: Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an dem Regime

Ein Aufruf aus Beirut, der in den Straßen der Stadt verteilt und per Megafon verlesen wurde, während die Menschen versuchen mit bloßen Händen die Trümmer beiseite zu räumen. Der Text wurde von libanesischen Gefährten an Lundi Matin geschickt, wir haben ihn heute kurzfristig übersetzt. S.L.

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Libanon: Stand der Dinge

Ghassan Salhab

Werden die Ausgangsperre und der Waffenstillstand dem libanesischen Aufstand zum Sieg verhelfen? Wird die Allgegenwart der Sicherheit in der Lage sein, die Kluft zu überbrücken, in die die Bevölkerung jeden Tag tiefer zu versinken scheint? Das sind jedenfalls die Fragen, die Ghassan Salhab aus Beirut stellt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Lundi-Matin vom 29. Juli 2020. Eine Woche vor der verheerenden Explosion in Beirut.

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Zur Organisierung der Arbeiterklasse während der Pandemie – Reflektionen aus China

Worker Study Room

Der folgende Beitrag stammt vom Mai 2020 und wurde vom Chuǎng Kollektiv ins englische übersetzt auf seinem blog veröffentlicht. Antikalypse hat diesen Text für Sūnzǐ Bīngfǎ ins deutsche übertragen. Von ihm stammt auch die kursive Einleitung.

Die Zeitschrift Chuǎng und das dazugehörige Blog analysieren den chinesischen Kapitalismus und soziale Kämpfe in China. Chuǎng ist eine der wenigen sozialrevolutionären Stimmen, die es aus China heraus in die Welt schaffen. Den Namen Chuǎng erklären die Mitglieder auf ihrem Blog so: „The image of a horse breaking through a gate. Meaning: To break free; To attack, charge; To break through, force one’s way in or out; To act impetuously. 闯关 (chuǎngguān): to run a blockade. 闯座 (chuǎngzuò): to attend a feast without being invited.“

Während vor dem Hintergrund der Proteste in Hongkong in der westlichen Linken erneut ein dümmlich-dichotomer Streit darüber köchelt, ob man es besser mit dem autoritären, sich selbst kommunistisch nennenden China hält oder mit den vor der erstarkenden wirtschaftlichen und politischen Macht des Großen Riesens schaudernden Demokratien des Westens, halte ich es für gewinnbringender, kämpfenden Stimmen aus China selbst zuzuhören. Die Übersetzung ist um ihre diversen Fußnoten bereinigt, wer sich dafür interessiert, findet sie in der oben verlinkten englischsprachigen Version.

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Revolutionary Abolitionist Movement: „Freiheit ist nichts was uns Weiße schenken können und war es auch nie. Sie ist etwas, das man sich aneignen muss, und so war es auch schon immer“- Ein Interview

Ein Gespräch über den anhaltenden Aufstand nach der Ermordung von George Floyd durch die Bullen, COVID 19 und den Abolitionismus, mit ein paar Genossen von Revolutionary Abolitionist Movement. Ein Interview von Riot Turtle für Sūnzǐ Bīngfǎ 孫子兵法. Übersetzung: Bratislav Metulski.

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Notstand und Ausnahmezustand*

Giorgio Agamben

Die Reduktion des Menschen, seines Daseins, auf seine nackte, kahle, Existenz, die Verschmelzung des gegenwärtigen westlichen “demokratischen” Systems mit seiner Zukunft, seiner totalitären Schwester, die Pandemie Ausnahmezustand Zeitschleife, in der alles ineinander übergeht, miteinander verschmilzt, oder besser noch fusioniert, kalte Kernschmelze. Giorgio Agamben hat den Panikherzen den Spiegel vorgehalten, während die meisten Intellektuellen in den letzten Monaten in eine Schockstarre gefallen oder sich in halbgaren Ausflüchten ergangen sind. Fast alleine stand er da, wer wäre schon noch sonst zu nennen: Vielleicht noch “Bifo” Berardi, die Genossen der Wu Ming Kollektives, bzw. die Leute, die auf ihrem blog geschrieben haben. Ein paar liebenswürdig Verschrobene aus Neukölln, ein paar Stimmen aus Frankreich. Sonst war da nur Schweigen angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die sich in den letzten Monaten ereignet haben. Daran muss erinnert, das darf niemals vergessen werden, während sich schon die schweigende, gebeugte Linke wieder in die Startpositionen bringt, um das ewig gleiche Spiel von Partizipation erneut aufzuführen, als sei nichts geschehen, als hätte irgendeines ihrer Worte noch irgendeine Bedeutung. Ein weiterer, aktueller Text von G. Agamben vom 30.7.2020.. S.L.

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Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #1 – 27. Juli 2020

Wir haben uns über die vielen Reaktionen auf Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #0 – 13. Juli 2020 gefreut. Heute veröffentlichen wir Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #1 – 27. Juli 2020. In dieser Ausgabe haben wir mehrere Artikel im Zusammenhang mit dem anhaltenden Aufstand in Portland. Andere Themen in dieser Ausgabe, u.a.: Autonomia, Stuttgart, die Geschichte der RAF. Ein Interview mit Richard Gilman-Opalsky und ein Beitrag von Joshua Clover.

Die historische Bedeutung der RAF

Karl-Heinz Roth

Über den bewaffneten Aufbruch in diesem Land ist viel geschrieben worden, vielleicht mehr als über irgendeinen anderen Aspekt der bundesrepublikanischen radikalen Linken. Trotzdem dürfte gerade für jüngere Menschen die RAF in mancherlei Hinsicht doch mehr eine Pop Reminiszenz als eine greifbare historische Erfahrung sein. Auch sind viele wichtige Wortmeldungen verschollen oder dürften nur noch schwer aufzufinden sein. Diese Reihe, die mit einem Beitrag von Karl-Heinz Roth, der Ende der 70iger entstand, beginnt, mag da vielleicht etwas Abhilfe schaffen und einen bescheidenen Beitrag dazu leisten in der überfälligen Diskussion darüber, wie ein grundsätzlicher Bruch mit dem Bestehenden denn zu bewerkstelligen sei. Vor allem erinnert der Beitrag daran, wo die RAF eigentlich her kam, aus der Liebe und der Verbundenheit zu jenen, denen es unter den bestehenden Verhältnissen am beschissensten geht und die keine größere Sehnsucht kennen, als Hoffnung schöpfen zu können, diese Verhältnisse aufzuheben. Und Karl-Heinz Roth beschreibt detailliert, wie diese brüchige Bindung verloren ging, was der RAF vielleicht als einziges am Ende wirklich grundsätzlich vorzuwerfen wäre.

Wir übernehmen den Beitrag unbearbeitet, auch wenn er an der einen oder anderen Stelle heutzutage bestimmt anders formuliert werden würde, z.B. um sich nicht dem Vorwurf einer Relativierung des Nationalsozialismus auszusetzen, bzw. andere Begrifflichkeiten sich durchgesetzt haben. Lediglich einige Rechtschreibfehler haben wir korrigiert. S.L.

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