Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #16 – 22. Februar 2021

Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #16 – 22. Februar 2021 – Themen in dieser Ausgabe: Häuserkampf in den Niederlanden: Keine Wohnung! Keine Krönung! – 1980 [Teil 2] – (Riot Turtle, Dokufilm und Artikel) / Willkür und Notwendigkeit – (Giorgio Agamben) / Eine Kunst in der Katastrophe – Die umzingelte Party – (Mathilde Girard) / Bochum – Tanz auf dem Vulkan [Häuserkampf und Klassenkampf [Part 6] / Die argumentative (Selbst) Zerfleischung – (Jennifer Bennett) / Autopilot und Chaos (Franco “Bifo” Berardi).

Häuserkampf in den Niederlanden: Keine Wohnung! Keine Krönung! – 1980 [Teil 2]

Riot Turtle

Nach dem Kampf um ein besetztes Haus in der Vondelstraße, über den wir in der letzten Ausgabe von Sunzi Bingfa berichtet haben, befasst sich dieser zweite Teil unserer Serie über Häuserkämpfe in den Niederlanden mit dem Aktionsmonat der Hausbesetzerbewegung im April 1980. Der Aktionsmonat erreichte am Krönungstag von Beatrix, dem 30. April 1980 seinen Höhepunkt. Dieser 30. April 1980 war die größte Revolte, die in den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat. Dieser Beitrag erzählt von jenem April, außerdem haben wir dem Dokumentarfilm über den 30.4.1980: „Keine Wohnung! Keine Krönung!“ eine deutsche Untertitelung hinzugefügt. Den Film findet Ihr am Ende des Textes. Sunzi Bingfa

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EIne Kunst in der Katastrophe – Die umzingelte Party

Mathilde Girard

Blackbloc/Ravebloc, diese Vermischung, diese Allianz, ist die Verkürzung eines Phänomens dessen was sich derzeit in Frankreich auf den Straßen abspielt, etwas philosophischer kommt wie meistens Lundi Matin daher, wo dieser Beitrag zum Thema erschien, den wir für die Sunzi Bingfa übersetzt haben.

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Bochum – Tanz auf dem Vulkan [Häuserkampf und Klassenkampf Part 6]

Der Häuserkampf” war Anfang der 1980er Jahre nicht nur eine Angelegenheit größerer Szenestädte wie Berlin, Göttingen oder Hamburg, bis weit in die Provinz hinein tobte der Kampf einer rebellischen Jugend, der sich häufig im Ringen um ein autonomes Zentrum manifestierte. Viele der Kämpfe jener Tage sind jenseits der Erinnerungen der Beteiligten in Vergessenheit geraten, außerhalb des Ruhrgebietes z.B. wird sich kaum jemand daran erinnern, dass im Bochumer Heusnerviertel 1986 noch über 150 Wohnungen in 40 Häusern besetzt waren, die dann nach und nach von den Bullen geräumt wurden. Geschichte von unten sollte vorzugsweise immer von unten erzählt werden, wir veröffentlichen deshalb an dieser Stelle ein Interview mit einem ehemaligen Protagonisten des Kampfes um ein Autonomes Kulturzentrum in Bochum Anfang der 1980er, der sich eine chronologische Einordnung anschließt. Beides haben wir der Broschüre “Zentrums-Bewegung Bochum 1981/82” entnommen, die vor wenigen Tagen von Heiko Koch veröffentlicht wurde. Die komplette Broschüre im “Retro Look” der 80er kann hier als PDF heruntergeladen werden. Wir haben die Auszüge entsprechend bearbeitet, um sie in dieser Form online stellen zu können. Im Anschluss findet Ihr die liebevoll rekonstruierte Fassung des 1987 entstandenen einstündigen Dokumentationsfilm “Tanz auf dem Vulkan” über die Besetzungen und den Widerstand im Bochumer Heusnerviertel Mitte der 80er. Sunzi Bingfa

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Willkür und Notwendigkeit

Giorgio Agamben

Die Frage, ob die Regierungen die Pandemie bewusst nutzen, um einen Ausnahmezustand auszurufen, der ihre Macht über alle Maßen hinweg expandieren lässt, oder ob sie keine andere Wahl hatten, als den Notstand auszurufen, lässt sich nicht beantworten. Was heute geschieht, wie in jeder entscheidenden historischen Krise, ist, dass beides zutreffend ist: Der Gebrauch des Ausnahmezustands als Strategem, als Kriegslist, und die Unmöglichkeit, anders als durch ihn zu regieren, sind gleichzeitig gegeben. Der Souverän handelt zwar absolut nach Gutdünken, ist aber gleichzeitig durch die permanente Entscheidung für den Ausnahmezustand gebunden, der letztlich sein Wesen definiert.

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Die argumentative (Selbst) Zerfleischung

Jennifer Bennett

In der AMC Serie The walking dead, welche seit 2010 produziert wird, stellt sich im Verlauf der Handlung bald heraus dass die Zombies von den Mensch gebliebenen Protagonist:innen schnell direkt ins Hirn getroffen werden müssen. Andernfalls wird mensch zerfleischt und endet selbst zum Zombie geworden, in der nicht endenden Repetition, Lebendiges töten zu müssen. Mit dem Schreiben dieses Textes bin ich bereits Teil des Zombie Schauspiels, selber zum Zombie gewordene Argumentierende, mich selber und andere zerfleischende Abstrahierende.

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Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #15 – 08. Februar 2021

Sūnzǐ Bīngfǎ Nr. #15 – 08. Februar 2021 – Themen in dieser Ausgabe: Stadtplanung – und Architektur im Fokus des Bundeskriminalamtes [Häuserkampf und Klassenkampf Part 5] (Martin Schaub) I Meme-Schwarm und Micro Trading (Franco “Bifo” Berardi) I Nightshift [2] – Welche Farbe hat die Nacht (Sebastian Lotzer) I Slowenien – Die antiautoritäre Linke in Zeiten von Corona [Teil 2] (Brigate Plavi) I Verknüpfungen – Für eine Ökologie der Gegenwart I Häuserkampf in den Niederlanden: Enteignen wir sie alle – 1980 [Teil 1]
(Eric Duivenvoorden ).

Häuserkampf in den Niederlanden: Enteignen wir sie alle – 1980 [Teil 1]

Eric Duivenvoorden

Amsterdam 1980, es war immer etwas los, kein Tag ohne irgendeine Art von action. Der Duft der Revolte lag in der Luft. Es herrschte ein enormer Wohnungsmangel. Die Wartezeit für eine Wohnung betrug mindestens 10 Jahre. Sie wurden meistens über ein Verteilungssystem der Stadtverwaltung vergeben. Wohnungen auf dem „freien“ Markt waren unbezahlbar. Junge Menschen mussten entweder als Erwachsene bei ihren Eltern bleiben, die Stadt verlassen oder ein Haus besetzen. Auf dem Höhepunkt der Amsterdamer Hausbesetzerbewegung lebten etwa 22.000 Menschen in besetzten Häusern. Was folgt ist eine Übersetzung vom ersten Teil des Kapitel 5 von „Ein Fuß in der Tür – Geschichte der Hausbesetzerbewegung 1964 – 1999“.

Der Autor Eric Duivenvoorden ist Soziologe und gründete 1991 das Staatsarchief, das Archiv der niederländischen Hausbesetzer- und sozialer Bewegungen. Dieses Archiv wurde im Jahr 2000 Teil des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte in Amsterdam. Obwohl wir manche Sachen gerne anders, politischer und aus Sicht der Akteure selbst dargestellt gesehen hätten, gibt es keine ausführlichere chronologische Beschreibung über die Geschehnisse in Amsterdam 1980, als im Buch von Duivenvoorden, deswegen haben wir uns für diesen Text entschieden. Um Menschen aus der Bewegung auch selbst zu Wort kommen zu lassen haben wir den selbstorganisierten – und produzierten Doku-Film „Eine Vondel Brücke zu weit“ (50 Minuten) zugefügt. Wir haben dem Film deutsche Untertitel hinzugefügt. Sunzi Bingfa.

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