Willkommen in der Dystopie

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In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli heulten die Alarmsirenen über Wuppertal. Sirenengeheul, eine persönliche Erinnerung an die monatlichen Übungen während des Kalten Krieges in den Niederlanden. Aber dieses Mal war es keine Übung. Ein paar aufgezeichnete Gedankenfetzen während einer Nacht im Ausnahmezustand in Wuppertal.

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Der Aufstand gegen den Besuch – Papst Johannes Paulus II in den Niederlanden

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Im Mai 1985 kam der Papst in die Niederlande, es sollte ein Desaster werden. Nicht nur wegen der stundenlangen Straßenkämpfe während des Besuchs von Papst Johannes Paulus II in Utrecht, sondern auch, weil der Papst in den Niederlanden schlichtweg nicht willkommen war. Auch viele Katholiken gingen auf die Straße, um gegen den Besuch zu protestieren. Sunzi Bingfa

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Häuserkampf in den Niederlanden: Lucky Luyk [Teil 5]

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Nach der Pierson-Räumung in Nimwegen (Teil 4 in der letzten Sunzi Bingfa) im Februar 1981 kehre ich zu den Entwicklungen in Amsterdam zurück. Die ersten 3 Teile zum Häuserkampf in Amsterdam findet ihr hier: 123.

Die Erfahrung mit dem Einsatz der Armee während der Räumung in der Pierson Straße hatte für mich alles verändert. Ich hatte das hässliche Gesicht der sogenannten parlamentarischen Demokratie vor meinen eigenen Augen gesehen. Direkt vor einem Leopard-Panzer zu stehen und die Scharfschützen auf dem Dach zu sehen, ist etwas, das man nicht vergisst. Ich begann zu begreifen, dass wir alles ändern müssen… Im Alter von 15 Jahren.

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Häuserkampf in den Niederlanden: Panzer in der Pierson Straße [Teil 4]

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Die ersten drei Teile (1,2,3) unserer Serie Häuserkampf in den Niederlanden beschäftigten sich mit dem Kampf um Wohnraum in Amsterdam. Doch Ende 1980 spitzte sich ein Konflikt um ein Parkhaus in Nimwegen zu. Dort wurden 14 Häuser besetzt, die die Stadt für ein Parkhaus abreißen wollte. Nutzbarer Wohnraum in einer Stadt mit einem großem Mangel an Wohnraum. Erneut wurde die Armee eingesetzt. Für diesen Artikel haben wir auch die Untertitel für den Film ‚Pierson Unknown‘ (47 Minuten) übersetzt. Ihr findet den Film unter diesem Artikel. Sunzi Bingfa

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Häuserkampf in den Niederlanden: Der Kampf um die Vondelstraße und die ‘Krönungsrevolte’ auf Tour durch Europa [Teil 3]

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Die Militanz der Amsterdamer Hausbesetzerbewegung hatte 1980 auch außerhalb der Niederlande Auswirkungen. Die Bilder von Panzern und militanten Auseinandersetzungen haben in Westeuropa großen Eindruck hinterlassen, mit dem Ergebnis, dass Hausbesetzer aus Amsterdam nun gern gesehene Gäste bei ihren Genossen im Ausland sind. Sunzi Bingfa

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Häuserkampf in den Niederlanden: Keine Wohnung! Keine Krönung! – 1980 [Teil 2]

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Nach dem Kampf um ein besetztes Haus in der Vondelstraße, über den wir in der letzten Ausgabe von Sunzi Bingfa berichtet haben, befasst sich dieser zweite Teil unserer Serie über Häuserkämpfe in den Niederlanden mit dem Aktionsmonat der Hausbesetzerbewegung im April 1980. Der Aktionsmonat erreichte am Krönungstag von Beatrix, dem 30. April 1980 seinen Höhepunkt. Dieser 30. April 1980 war die größte Revolte, die in den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat. Dieser Beitrag erzählt von jenem April, außerdem haben wir dem Dokumentarfilm über den 30.4.1980: „Keine Wohnung! Keine Krönung!“ eine deutsche Untertitelung hinzugefügt. Den Film findet Ihr am Ende des Textes. Sunzi Bingfa

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Corona Riots in den Niederlanden: „Die Regierung hat den Familien Millionen gestohlen, hat Familien zerstört„

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(Bild oben: Archivbild von älteren Zusammenstößen mit der Polizei in den Niederlanden.)

Seit letztem Wochenende ist es in den Niederlanden unruhig. In Urk haben Faschist*innen und Querdenker am Samstag eine Corona-Teststraße niedergebrannt. In Amsterdam und Eindhoven kam es am Sonntag zu Ausschreitungen, nachdem rechtsextreme Gruppen wie PEGIDA-NL und Querdenker in beiden Städten zu Demonstrationen gegen die Ausgangssperre aufgerufen hatten. Der seltsame Querfront-Mix in den Niederlanden bei dieser Art von Demonstrationen ist ähnlich wie in Deutschland und Österreich. Was anders ist, ist, dass Jugendliche die Querfront-Proteste in Eindhoven am Sonntag gekapert haben. Einige Fascho-Hools beschwerten sich in den sozialen Medien, dass sie dabei von migrantischen Jugendlichen zusammengeschlagen wurden. In einigen Videos skandierten Jugendlichen antisemitische Schimpfwörter. Also sind das alles rechtsextreme und antisemitische Jugendliche? Nein, auch wenn ich natürlich jedes rechtsextreme und antisemitische Verhalten verurteile, so einfach ist es nicht. Es ist eine schwierige und komplexe Situation. Ein Versuch, die Corona-Unruhen in den Niederlanden einzuordnen.

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Einbrechen kann doch jeder: Enteignung in den Niederlanden

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Eine Frühlingsnacht im Jahr 1985. Eine letzte Überprüfung unserer Werkzeugausrüstung. Wir hatten alles, was wir brauchten. Wir gingen nach draußen und bewegten uns zügig, aber nicht zu schnell, denn wir wollten keine Aufmerksamkeit erregen.

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Die Revolutionäre Antirassistische Aktion (RARA): Militante Praxis in den Niederlande

Ein Sozialzentrum in einem besetzten Haus in den 1980er Jahren in Amsterdam. Der Geruch von Benzin lag in der Luft, was nicht alltäglich war… aber es war auch nichts Ungewöhnliches. So manche mag diese Offenheit, womit in den 80er so manches stattgefunden hat überraschen, aber der Bullenapparat war technisch noch nicht so aufgestellt wie es heute der Fall ist. Ich kann mich erinnern dass sie mal monatelang in ein Bulli mit einer großen Antenne vor unseren Squat standen. Im Winter, bei minus 10 Grad, haben wir denen dann heiße Suppe gebracht und haben den Bullen die drin saßen gesagt: “ Hört mal esst das jetzt und dann verpisst euch.” Sie sind danach tatsächlich gegangen.

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Stuart Christie und der Attentatsversuch gegen Franco: „Mir drehte sich der Magen um. Etwas war völlig schief gelaufen …“

Stuart Christie

Am 15. August verstarb Stuart Christie nach seinem Kampf mit seinem Lungenkrebs. Sein Versuch, den spanischen Diktator Franco in den 1960er Jahren zu töten, ist immer noch legendär und ein Beispiel für eine konsequente antifaschistische Aktion und Haltung.

In diesem Land scheinen wir bezüglich der antifaschistischen Selbstverteidigung vom Weg abgekommen zu sein. In Zeiten, in denen Faschisten Waffen horten, verbünden sich hierzulande große Teile der antifaschistischen Bewegung mit Sozialdemokraten und anderen Liberalen, ja sogar mit dem Staat. Die Faschisten träumen offen vom „Tag X“, einem Tag, an dem sie Migranten, Juden, Antifaschisten, Linke und andere töten wollen. Im Grunde wollen sie alle Menschen töten, die anders denken. Während der Staat mit seinen politischen Vertretern der SPD und anderen die Faschisierung des deutschen Staates durchsetzt, wurde eine Bewegung mit antagonistischen Elementen und praktischer antifaschistischer Selbstverteidigung durch diese Bündnispolitik weitgehend befriedet.

Es gibt immer noch einige militante Antifaschisten, und es ist an der Zeit, dass genau diese Art von antifaschistischen Gruppen wieder anfangen mehr Bedeutung zu bekommen und sich mehr Leute finden, die diese Art der Praxis durchführen. Die faschistische Bedrohung wächst, und deshalb brauchen wir heute mehr Stuart Christies als je zuvor.

Stuart Christie wurde am 11. August 1964 in Madrid wegen dem Besitz von Sprengstoff verhaftet, mit dem der faschistischen Führer Franco getötet werden sollte. Stuart war auch Mitbegründer von Anarchist Black Cross und Cienfuegos Press und Autor von „Granny Made Me an Anarchist“ („Großmutter machte mich zum Anarchisten“), außerdem  gründete er auch das Anarchistische Filmarchiv.

Es folgt ein Auszug aus Stuart Christies Buch „Granny Made Me An Anarchist“, in dem seine Beteiligung an einem Attentatsversuch auf den spanischen Diktator General Franco beschrieben wird. Er beschreibt seine Erfahrungen von der Abholung des Plastiksprengstoffs in Frankreich bis zu seiner Verhaftung durch die Franco-Polizei in Spanien. Dieser Auszug wurde ursprünglich von Libcom veröffentlicht und übersetzt für Sūnzǐ Bīngfǎ. Riot Turtle

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