Die mediale Impfung der Angst

Olivier Cheval

Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“

Es ist schlechterdings unmöglich hierzulande nur ansatzweise eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit bestimmter Maßnahmen im Pandemie Ausnahmezustand führen zu wollen. Jeder Dissens wird pathologisiert und wer es dennoch wagt wird sofort in politische Lager verortet, die ihm fremder nicht sein könnten. Mir schrieb im Frühjahr ein mir wohlgesonnener jüngerer Genosse besorgt, ich solle doch bitte aufpassen, was ich für Positionen in meinen Pandemie Kriegstagebüchern vertrete, er wünsche mir nur das beste, aber ich sei in echter Gefahr als etwas wahrgenommen zu werden, von dem er annehme dass ich dies nicht sei. Nun, ich habe es mit Nanni Balestrini gehalten, der auf seine alten Tage öffentlich festgestellt hatte, dass “da keine radikale Linke mehr sei, nur Leere” und das er sich nun fortan lediglich als Chronist der gesellschaftlichen Entwicklung sehe. Umso erbaulicher fällt immer wieder der Blick über die Grenzen und die Erkenntnis das es immer wieder Stimmen gibt, die die Anstrengung der Übersetzungsarbeit lohnen. Ein Beitrag aus der letzten Ausgabe von Lundi Matin. Sebastian Lotzer

„Die mediale Impfung der Angst“ weiterlesen

Libanon: Der Klang der Stiefel

Ghassan Salhab

So ziemlich das erste, was das libanesische Regime tat, nachdem die verheerende Explosion im Hafen von Beirut die halbe Stadt verwüstet hatte, und während noch viele Menschen unter Trümmern verschüttet vermisst wurden, war den militärischen Ausnahmezustand auszurufen. Nicht um die Rettungsarbeiten zu bündeln und zu organisieren, nein, zu durchsichtig war das Manöver. Im Wissen um die eigene Verantwortung, das Verbrechen des Nichthandelns (ein Bericht über die Situation im Hafen hatte schon Wochen dem gesamten Kabinett vorgelegen), ein weiteres Verbrechen der korrupten Elite an den Menschen der geschundenen Stadt, ging es ausschließlich um den Machterhalt. In diesem Spiel waren die folgenden Rücktrittserklärungen nur ein durchsichtiges Manöver, um diese Absicht zu verschleiern. Aber niemand glaubt ihnen mehr. Tagelange Proteste und Straßenschlachten, Ministerien wurden gestürmt und besetzt und auch wenn dieser Anlauf, so wie die Revolte im letzten Herbst, dass Regime nicht von der geschichtlichen Bühne fegen konnte, so sind doch seine Tage gezählt. So steht es geschrieben. Sūnzǐ Bīngfǎ

„Libanon: Der Klang der Stiefel“ weiterlesen

Beirut: Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an dem Regime

Ein Aufruf aus Beirut, der in den Straßen der Stadt verteilt und per Megafon verlesen wurde, während die Menschen versuchen mit bloßen Händen die Trümmer beiseite zu räumen. Der Text wurde von libanesischen Gefährten an Lundi Matin geschickt, wir haben ihn heute kurzfristig übersetzt. S.L.

„Beirut: Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an dem Regime“ weiterlesen

Libanon: Stand der Dinge

Ghassan Salhab

Werden die Ausgangsperre und der Waffenstillstand dem libanesischen Aufstand zum Sieg verhelfen? Wird die Allgegenwart der Sicherheit in der Lage sein, die Kluft zu überbrücken, in die die Bevölkerung jeden Tag tiefer zu versinken scheint? Das sind jedenfalls die Fragen, die Ghassan Salhab aus Beirut stellt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Lundi-Matin vom 29. Juli 2020. Eine Woche vor der verheerenden Explosion in Beirut.

„Libanon: Stand der Dinge“ weiterlesen